präsentiert
Romeo und Julia (nach William Shakespeare)
Projektdokumentation
Autorinnen: Olivia Lorberth, Nele Galle
Mail: olivialorberth@gmail.com, nele.galleaol.com@aol.com
Inhalt und Zielsetzung des Projekts
Worum geht es in eurem Projekt? Warum wollt ihr dieses Projekt durchführen?
An unserer Schule gibt es ein Projektformat namens „Herausforderung“. Bei diesem Projekt fährt man zwei Wochen mit einer Gruppe Schüler*innen weg, um sich einem herausfordernden Ziel zu widmen. Wir haben uns ein ganzes Jahr mit wöchentlichen Treffen darauf vorbereitet, eine abgeänderte Version von Romeo & Julia vorzuspielen. Wir sind eine Woche in ein Haus in Meyenburg gefahren, um intensiv zu proben, Absprachen für Requisite, Kostüme etc. zu treffen und diese auch zu basteln und zu organisieren. Dabei mussten wir uns selber verpflegen. Das heißt-Essen für 20 Leute einkaufen, kochen und zubereiten. Außerdem abwaschen und aufräumen. In Zusammenarbeit mit einer Schauspielerin (Claudia Renner) haben wir eine gekürzte Version von Romeo und Julia auf die Beine gestellt. Dazu gehörte: 10 Seiten Text lernen, sich in eine fremde Rolle einfühlen und diese auch körperlich ausdrücken (mit zum Beispiel: Gestik, Mimik, Körperhaltung) und sehr viel Geduld haben. In unserer Gruppe waren auch 3 Schüler*innen mit einer geistigen Behinderung. Ziel unserer Herausforderung war es, dass alle Schüler*innen auf der Bühne stehen und behinderte und nichtbehinderte Schüler*innen zusammenspielen. Die Idee hinter dieser „Herausforderung“ war es, den Schüler*innen, die keine Lust oder keine Möglichkeiten haben, eine sportliche Herausforderung mitzumachen, eine Chance zu bieten, trotzdem dabei zu sein. Dadurch hat sich eine Inklusive Gruppe entwickelt, bei der keiner außen vorgelassen wird. Einige Schüler*innen unserer Herausforderungsgruppe haben zum Beispiel Schwierigkeiten, vor der Klasse Vorträge zu halten. Für sie ist es eine große Herausforderung, in eine Rolle zu schlüpfen und sich auf einer Bühne im Rampenlicht zu präsentieren. Es braucht viel Mut, sich vor anderen – zum Teil fremden Menschen – zu präsentieren und frei zu sprechen.
Planung und Ablauf des Projekts
Bei den wöchentlichen Treffen haben wir uns mit Workshops (mit Ramba Zamba) und Theaterbesuchen auf das Theaterspielen vorbereitet. Aber wir haben auch unsere Reise organisiert. Wir mussten einen Teil des Geldes selbst erwirtschaften. Dafür haben wir Flohmärkte, Kuchenbasare organisiert, Straßenmusik gemacht, bei unseren Großeltern geholfen, etc. Außerdem mussten wir unsere Bahnfahrt organisieren, eine Unterkunft in Brandenburg und einen Auftrittsort in Berlin finden. Für all das brauchten wir einiges Geld. Wir haben große Unterstützung von der Jugendjury erhalten. Mit der Spende konnten wir eine ”echte” Bühne in der Brotfabrik in Berlin Weißensee inklusive einem Licht- und Tontechniker bezahlen. Für uns wurde unser Theaterstück dadurch richtig schön und wir haben uns wie richtige Schauspieler*innen gefühlt. Für die Zeit in Brandenburg haben wir im Voraus einen Plan gemacht, bei dem wir jeden Tag 7 Stunden proben. Die einzelnen Proben sind tatsächlich nur minimal vom Plan abgewichen.Bei den Proben haben wir Text gelernt, sind Szenen durchgegangen und haben versucht uns in die Rollen einzufühlen.Wir haben Kochgruppen für jeden Tag erstellt, die für alle gekocht haben. Das Einkaufen hat immer eine spontane Gruppe erledigt. Beim Kochen wurde darauf geachtet, Unverträglichkeiten zu berücksichtigen. Es war auch gar nicht so einfach, gerade unsere eine Mitschüler*in mit Down-Syndrom mit einzubinden. Sie saß am Anfang still in der Ecke und hat sich nichts getraut. Am Ende stand sie mit auf der Bühne!
Ergebnisse des Projekts
Was sind die wichtigsten Ergebnisse eures Projekts, die Höhepunkte?
Zunächst haben wir viele neue Freundschaften gefunden, was das Arbeiten im Team viel besser gemacht hat. Wir haben gelernt, Konflikte zu lösen und Kompromisse einzugehen, was nicht immer einfach war. Oft mussten wir auch über unsere eigenen Grenzen hinausgehen. Wir mussten aushalten, dass es Heimweh gab oder Nervosität und Aufregung aushalten.
Der Gruppenzusammenhalt war wirklich toll – wir haben uns gegenseitig unterstützt und motiviert, besonders in schwierigen Momenten. Außerdem haben wir gelernt, uns selbst zu beruhigen und mit Aufregung umzugehen, was uns bei der Generalprobe und der Aufführung sehr geholfen hat. Die Aufführung in der Brotfabrik war ein großer Höhepunkt des Projekts.
Wie zufrieden seid ihr mit den Ergebnissen? Was lief bei dem Projekt gut?
Alles in allem sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Zu Beginn hatten wir weniger Motivation und viele Zweifel. Es gab viel Kritik, und niemand wusste genau, wie gut es am Ende werden würde. Doch im Verlauf des Projekts hat sich alles zum Positiven gewendet. Das Vertrauen untereinander ist gewachsen, und die Arbeit am Stück machte immer mehr Fortschritte. Besonders stolz sind wir darauf, dass sich fast alle getraut haben, auf die Bühne zu gehen, und vor allem Lilli, die sich ebenfalls überwunden hat. Auch die Fehler, die während der Aufführung passierten, wie fehlende Requisiten oder das lange Umziehen, haben wir gut überspielt, sodass das Publikum die Pannen kaum bemerkte.
Welche Probleme gab es? Wie habt ihr sie gelöst? Was habt ihr Neues gelernt?
Am Anfang unseres Projekts lief nicht alles reibungslos. Es gab viele Herausforderungen, vor allem in der Zusammenarbeit mit dem Kostümteam. Wir wussten oft nicht genau, wer welche Entscheidungen treffen darf und wie viel Mitspracherecht wir als Schauspielerinnen und Schauspieler eigentlich haben. Manche von uns waren erstmal nicht offen dafür, neue Dinge auszuprobieren – zum Beispiel ein ganz anderes Kostüm zu tragen oder sich plötzlich wie jemand ganz anderes zu bewegen.
Ein großes Thema war auch, dass viele ihre Kostüme nicht mochten. Das hat für Diskussionen gesorgt. Wir mussten lernen, zu unterscheiden: Mag ich das Kostüm nicht, weil es mir wirklich nicht gefällt (also meine Vorliebe)? Oder stört es mich nur gerade, weil ich mich nicht wohlfühle oder verunsichert bin (also eine momentane Befindlichkeit)? Diese Gespräche waren nicht einfach, weil es auch manchmal zu Missverständnissen kam. Die Kommunikation war anfangs wirklich schwierig.
Aber wir haben gelernt, für unsere eigene Meinung einzustehen – und trotzdem Kompromisse zu finden. Zum Beispiel hat ein Schauspieler ein bestimmtes Kleidungsstück nur im Film getragen, und wir haben dann eine andere Lösung für die Bühne gefunden, mit der alle leben konnten. Es gab viele Gespräche, manchmal auch hitzige Diskussionen, aber am Ende sind wir weitergekommen, weil wir nicht aufgegeben haben.
Durch das Projekt haben wir nicht nur viel über Theater gelernt, sondern auch über uns selbst. Viele von uns mussten Dinge tun, die sie vorher nie gemacht haben: vor vielen Menschen sprechen, in eine andere Rolle schlüpfen, sich wie ein Junge bewegen, obwohl man selbst keiner ist – oder andersrum. Außerdem haben wir für viele Leute gekocht, den Haushalt organisiert und waren lange von zu Hause weg. Das hat unser Selbstbewusstsein gestärkt. Wir mussten nicht nur auf uns selbst achten, sondernauch auf andere. Und obwohl es manchmal echt anstrengend war, hat uns das alles näher zusammengebracht – gerade weil wir gelernt haben, Probleme gemeinsam zu lösen.

